• Marion Kiener

Wie funktionieren unsere Bandscheiben und was ist ein Bandscheibenvorfall?



Laut einer Umfrage von Statistik Austria aus 2021 leiden rund 1,9 Millionen Erwachsene in Österreich an chronischen Rückenschmerzen. Ein Bandscheibenvorfall ist jedoch nicht per se verantwortlich für langfristige Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Bis zu einem Drittel der erwachsenen Menschen ohne Beschwerden weisen in MRT-Untersuchungen einen Bandscheibenvorfall auf. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen die Funktionsweise der Bandscheiben, dns Bandscheibenvorfall und was Sie dagegen tun können.


Inhalt dieses Blogartikels


Anatomie der Bandscheibe

Zwischen jedem Wirbel, mit Ausnahme des 1. und 2. Halswirbels liegt eine Bandscheibe. Diese besteht aus einem elastischen Ring aus festem, faserigem Bindegewebe und einem weichen gelartigen Kern.

Der Kern ist beweglich und verlagert seine Position im Ring, je nach Belastung. Beugen wir uns nach vorne, werden die Vorderseiten der Wirbelkörper angenähert und der Kern verlagert sich nach hinten. In Neutralposition, wenn wir gerade stehen, liegt der Kern in der Mitte der Bandscheibe.

Stellen Sie sich vor, Sie halten einen Hamburger in Ihren Händen, halten Sie ihn mittig, bleibt alles wo es ist, greifen Sie den Burger zu weit vorne und drücken zusammen, verschiebt sich der Inhalt nach hinten. Ähnlich verhält es sich mit dem gelartigen Kern in der Bandscheibe.

Die Bandscheiben adsorbieren Kompressions- und Stoßkräfte und wirken wie ein Puffer zwischen den Wirbeln. Sie ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule und tragen zur Stabilität dieser bei.


Abbildung Bandscheiben und Wirbelkörper

Wie ernährt sich die Bandscheibe

Die Bandscheibe wird nicht durchblutet. Sie ernährt sich durch Be- und Entlastung. Ungefähr so wie bei einem Schwamm können die Bandscheiben Flüssigkeit aus ihrer Umgebung aufsaugen und abgeben.

Während einer Belastung wird Flüssigkeit mit verbrauchten Nährstoffen aus der Bandscheibe gepresst. Unter Entlastung saugt sie sich wieder mit frischer, nährstoffreichen Flüssigkeit an. Der Stoffwechsel der Bandscheiben funktioniert also über Bewegung (Be- und Entlastung). Störend wirkt dagegen eine ständige einseitige Druckbelastung wie bei langem statischen Sitzen.


Einen Selbstversuch: Messen Sie Ihre Körpergröße. Einmal am Morgen nach dem Aufstehen und ein zweites Mal am Abend. Sie werden einen Unterschied von bis zu 3 cm feststellen. Unsere Körperlänge nimmt unter tags etwas ab und über Nacht wieder zu. Der Grund dafür sind unsere Bandscheiben, die Flüssigkeit aufnehmen und abgeben könne.

Die Bandscheiben sind auch ein Grund, warum sich unsere Körpergröße mit zunehmenden Alter etwas reduziert. Durch den natürlichen Alterungsprozess verliert die Bandscheibe an Elastizität, kann nicht mehr so viel Flüssigkeit speicher und wir werden kleiner.


Definition Bandscheibenvorfall und Bandscheibenvorwölbung

  • Bandscheibenvorfall: Der äußere Faserring reißt ein und ein Teil des gelartigen Kerns tritt nach außen. Dort kann er auf einen Nerv oder das Rückenmark drücken.

  • Bandscheibenvorwölbung: Hier verlagert sich das innere Bandscheibengewebe nach außen, ohne dass der äußere Faserring zerreißt.

Abbild eines Bandscheibenvorfalls in der Lendenwirbelsäule

Symptome bei einem Bandscheibenvorfall

Die Symptome sind abhängig von der Schwere des Vorfalls. Viele Bandscheibenvorfälle verursachen keine Symptome und sind Zufallsbefunde.

Bis zu einem Drittel der erwachsenen Menschen ohne Beschwerden weisen in MRT-Untersuchungen einen Bandscheibenvorfall auf.

Am häufigsten kommt es zu einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, gelegentlich in der Halswirbelsäule und am seltensten in der Brustwirbelsäule.

Folgende Symptome können auftreten:

  • Häufig ein plötzlich einschießender Schmerz

  • Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule

  • Husten, Niesen und Pressen verstärkt die Schmerzen

  • Missempfindungen oder Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen

  • Ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine

  • Neurologische Ausfälle - Lähmung oder Schwäche der Muskulatur, oft ist der Fußhebermuskel betroffen und das Gehen auf der Ferse ist erschwert oder nicht möglich.

Wichtig: nicht immer liegt hinter diesen Symptomen auch ein Bandscheibenvorfall als Ursache. Rückenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen und Missempfindungen in Arme oder Beine können auch durch Verspannungen und Blockaden an den Gelenken der Wirbelkörper kommen.


Sollten Lähmungserscheinungen oder Kontinenzstörungen von Harn oder Stuhl auftreten, ist dies ein Notfall! Bitte suchen Sie in solchen Fällen sofort Ihren Arzt auf!


Wie erfolgt die Diagnose

Die Diagnose erfolgt klinisch über den Arzt, durch eine genaue Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Danach folgen meist bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um einen Bandscheibenvorfall eindeutig zu diagnostizieren.

Welche Therapie gibt es

Je nach Schwere des Bandscheibenvorfalls ist eine konservative oder operative Behandlung möglich. In diesem Kapitel gehe ich näher auf die konservative Therapie ein. Diese sollte sich nach den verschiedenen Wundheilungsphasen richten.


1. Phase: In der Akutphase, die bis zu 10 Tage dauern kann, steht die Entlastung des Körpers im Vordergrund. Eine schmerzarme Lagerung und eine dosierte Schmerztherapie kann hier hilfreich sein und eine Linderung bringen. Eine mögliche Position zu Entlastung der Wirbelsäule ist die Stufenlagerung.


Stufenlagerung

2. Phase: Nach 10 Tagen bis 4 Wochen komm es im Körper zu einer Rekonstruktion, einem Neuaufbau des Gewebes. Hier ist der Schmerz das Leitsymptom. Ein Wechseln von liegen, gehen und leichter Mobilisation unterstützt die Wundheilung und verbessert die Qualität des Gewebes. Schmerzmittel sollen in dieser Phase vermieden werden. Warum ist das so? Der Schmerz dient als Leitsymptom oder Alarmanlage unseres Körpers. Bewege ich mich, gehe spazieren und Schmerzen treten auf, werde ich danach ruhen, mich hinlegen oder eine andere Position finden, wo es mir besser geht. Wozu ist das gut? So kann das Gewebe heilen. Nehme ich nun Schmerzmittel, bleibt dieser Alarm aus. Ich bewege mich mehr, trage etwas, gehe über die eigentliche Belastungsgrenze hinaus. Die Folgen daraus sind zu große Belastungen für das Gewebe, das gerade neu gebildet wird. Es kann erneut reißen und zu Mikro Traumen führen.

3. Phase: Nach ungefähr 4 Wochen kann mit trainingstherapeutischen Reizen die Qualität des Gewebes positiv beeinflusst werden. Hier ist eine genaue Reihenfolge der Art der Belastung unbedingt zu beachten. Eine stationäre oder ambulante Rehabilitation mit Physiotherapie ist sinnvoll. So wird das Training auf ihren individuellen Zustand angepasst, schrittweise aufgebaut und gesteigert. Das Training sollte auch danach, für mindestens ein Jahr noch selbstständig durchgeführt werden.

Der Körper braucht für die vollständige Regeneration des Bandscheibengewebes, bis es wieder so belastbar ist wie früher, 300-500 Tage.


Ein sinnvoller Therapieansatz beginnt nach der Akutphase. Jetzt ist es möglich, Fehlstellungen und Kompensationen in der Wirbelsäule, dem Bein oder Arm langsam aufzulösen. Das unterstützt den Heilungsprozess und erneute Beschwerden können vermieden werden. Die funktionelle Orthonomie und Integration, kurz FOI ist hierfür eine ideale und schmerzfreie Therapieform.


Sie haben noch offene Fragen zum Thema Bandscheiben und Bandscheibenvorfall? Dann kontaktieren Sie mich.