• Marion Kiener

Was ist viszerale Therapie?


Aus dem lateinischen übersetzt bedeutet „viscera“ so viel wie Eingeweide oder Weichteile. In der viszeralen Therapie werden die Organe behandelt.

Bewegungsapparat und Organe stehen in starker Wechselwirkung zueinander. Dieses enge Zusammenspiel bildet die Grundlage für die viszerale Therapie.


Wenn wir uns bewegen, sind nicht nur unsere Gelenke und Muskeln beteiligt, sondern zu einem großen Teil auch unsere Organe.

Diese sind am Bewegungsapparat befestigt und bekommen so ihren Halt und Platz im Körper. Sie haben daher eine starke Verbindung zu Wirbelsäule, Becken, Rippen, Schultergelenk und den dazugehörigen Muskeln, Bändern und Faszien.


Unsere Organe müssen flexibel und gegeneinander gut verschieblich sein. Das gewährleistet zum einen eine „reibungslose“ Beweglichkeit und zum anderen eine einwandfreie Funktion der einzelnen Organe.


Inhalt dieses Blogartikels


4 Ziele der viszeralen Therapie

  • Gleichgewicht zwischen den betroffenen Organen und dem Bewegungsapparat wieder herstellen – die sogenannte Homöostase

  • Verbesserung der Bewegungsfreiheit und der Funktion der einzelnen Organe

  • Verbesserung von Schmerzen am Bewegungsapparat

  • Steigerung der Durchblutung im Behandlungsbereich


Ursachen für viszerale Verklebungen und Dysfunktionen der Organe

  • Lang anhaltende Spannung und Fehlhaltungen

  • Chirurgische Eingriffe/Operationen

  • Infektionen und Entzündungen

  • Trauma wie zum Beispiel eine Rippenprellung

  • Emotionale Belastung und dadurch entstehende vegetativer Stress. Daher stammt auch der Ausdruck: "Das schlägt mir auf den Magen".

Die Konsequenz daraus ist, dass die belasteten Organe eine Spannung aufbauen, die auch auf den Bewegungsapparat übertragen wird. Zum Beispiel kann eine Verstopfung zu Beschwerden an der Hüfte oder Lendenwirbelsäule führen. Erhöhte Spannung im Bereich des Magens kann zu Magenschmerzen, Verdauungsprobleme oder Sodbrennen führen. Am Bewegungsapparat können durch Dysfunktionen des Magens unter anderem folgende Symptome auftreten: Blockade des 6. Brustwirbels, Schulterschmerzen links, Iliosakralgelenk- oder Hüftschmerzen links.


Anwendungsbereiche der viszeralen Therapie

  • Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindel

  • Verdauungsprobleme: wie Verstopfung und Durchfall

  • Atemprobleme

  • Magenschmerzen, Sodbrennen

  • Wirbelsäulenbeschwerden: Schmerzen, Bandscheibenvorfall, ...

  • Hüft-, Knie- und Schultergelenk: Schmerzen, Arthrose, ...

  • Iliosakralgelenk: Schmerzen, Blockaden

  • Rippengelenke und Brustkorb: Schmerzen, Asymmetrien, ...


Reaktionen auf die viszerale Therapie

Reaktionen sind wichtig und wir wollen sie in der viszeralen Therapie auslösen.

Wichtig dabei sind die Reaktionen in den ersten 48h, da diese einen Hinweis auf weitere betroffene Organe, Strukturen und Dysfunktionen, sogenannten Läsionsketten geben. Dabei hat jeder Mensch ein anderes Reaktionsmuster. Folgende Reaktionen sind möglich:

  • Erstverschlechterung: Wichtig, auch eine Erstverschlechterung ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass der Körper auf die Therapie reagiert. Der Körper kann Dysfunktionen sehr lange kompensieren. Er baut ein Kompensationsmuster auf und will dieses nicht so einfach auflösen. Dadurch können auch alte Beschwerden, die schon Jahre zurückliegen, wieder auftreten und im Laufe der Therapie aufgelöst werden.

  • Es kommt nach der Therapie zu einer Verbesserung der Beschwerden. Hierbei ist der Körper froh darüber, dass sein Kompensationsmuster verändert wird und er es auflösen kann.

  • Es gibt keine Reaktion auf die viszerale Therapie und die Beschwerden bleiben unverändert.

Die Reaktion auf die viszerale Therapie kann nach jeder Therapieeinheit anders sein. Damit der Körper den Input der Therapie besser verarbeiten kann, ist ein Nachruhen oder eine Runde spazieren gehen sinnvoll und wichtig.


Wie sieht so eine viszerale Therapieeinheit aus?

Anhand eines Beispiels aus meiner Praxis zeige ich ihnen den Ablauf einer viszeralen Therapieeinheit.


Anamnese: Als Therapeutin bekomme ich bereits in der Anamnese Hinweise dafür, wo Dysfunktionen und Probleme liegen. Ein Kunde gibt folgende Symptome an: seit 2 Wochen Schmerzen in der linken Schulter beim Heben des Armes. Er hat Probleme, Geschirr aus den oberen Fächern im Schrank zu heben. Vor 2 Monaten hatte er eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung).


Befund: Ich lasse mir die Bewegung, bei denen die Schmerzen auftreten, vorzeigen. Ich teste, wo im Bereich des Bauchraumes erhöhte Spannungen sind.


Therapie: Für den Magen gibt es verschiedene Techniken, hier stelle ich 2 Techniken vor, damit Sie ein besseres Bild von der Behandlung bekommen.

  • Mobilisation des Magenausgangs – Pylorus: Dieser ist ein Schließmuskel. Wie jeder Muskel kann auch dieser Spannung aufbauen. In der Behandlung ertaste ich mir den Pylorus und mit 2 Fingern gebe ich etwas Druck darauf. Dies kann eventuell unangenehm oder leicht schmerzhaft sein. Der Druck bleibt aufrecht bis sich der Pylorus entspannt, in Folge verschwindet auch das unangenehme Gefühl bzw. der leichte Schmerz.

  • Mobilisation des Magens über die Rippen: Die anatomische Lage des Magens ist ca. zur Hälfte unter der 6.-10. Rippen. Hier haben wir eine Kontaktfläche zwischen Magen und Rippenbogen. Die zweite Hälfte liegt im linken oberen Quadranten des Bauches. Bei der Nahrungsaufnahme füllt sich der Magen. Durch das Gewicht und der Schwerkraft sinkt er etwas nach unten. Damit dies optimal funktioniert, muss der Magen gut an den Rippen nach unten gleiten können. Funktioniert dies nicht einwandfrei, kann es zu Problemen kommen. In der Therapie führe ich die Mobilisation über den Rippenbogen aus. Der Kunde liegt in Seitenlage und ich schiebe den linken Rippenbogen rhythmisch nach unten oder vorne Richtung Bauchnabel. So werden eventuelle Verklebungen gelöst.

Jetzt stellt sich die Frage, welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Dysfunktion des Magens und den Schmerzen in der Schulter?

Hier ein kleiner Selbstversuch: Stellen Sie sich aufrecht hin. Heben Sie Ihren linken Arm Richtung Decke hoch. Wie fühlt sich die Bewegung an? Leicht? Nun nehmen Sie einen Teil Ihres T-Shirts, auf Höhe des Magens in die Hand und verdrehen es bis Falten nach oben ziehen.

Halten Sie das T-Shirt fest und strecken Sie Ihren linken Arm erneut Richtung Decke hoch. Wie ist die Bewegung jetzt? Spüren Sie einen Widerstand?

Fazit: Hat der Magen zu viel Spannung, hat dies Auswirkungen auf die umliegende Muskulatur und Faszien. Beim Heben des Armes muss ein größerer Widerstand überwunden werden. Mit der Zeit kann dadurch ein Problem in der linken Schulter entstehen. Die eigentliche Ursache liegt aber weiter entfernt, in unserem Beispiel beim Magen.


In der Therapie erstelle ich für jeden meiner Kunden einen individuellen Therapieplan. Eine Therapieeinheit dauert 50min. In der Praxis kommt es meist zwischen der 2-4 Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome.


Sie wollen mehr über die viszerale Therapie erfahren? Sie sind sich nicht sicher, ob es die richtige Therapie für Ihre Beschwerden ist? Erfahren Sie mehr in meinem Artikel Wann ist eine viszerale Therapie sinnvoll - und wann nicht?

Offene Fragen zur viszeralen Therapie beantworte ich Ihnen gerne.